THE COLLIDING ONES – Viron Erol Vert


01. März 2026 – 31. Mai 2026

THE COLLIDING ONES – Viron Erol Vert

Eröffnung: Sonntag, 01. März 2026, um 11 Uhr

Pressetermin: 27. März 2026, 11 Uhr

Die erste Ausstellung des Jahres 2026 im Kunstverein Arnsberg ist eine Einzelausstellung von Viron Erol Vert. Seine künstlerische Praxis beschäftigt sich mit inneren Zuständen des Menschseins: mit Übergängen, Nähe und Distanz, mit der Frage, wie Individuen sich zueinander verhalten und wie Herkunft, Erinnerung und Projektion das Selbst prägen. Malerei, eine in den letzten Jahren neu gesetzte Ausrichtung innerhalb seiner Praxis, bildet den Kern der Ausstellung; ergänzt wird sie durch Objekte, Zeichnungen, Sound und eine räumliche Inszenierung. Vert wuchs in Norddeutschland auf und hat mediterrane Wurzeln. Migration, Bewegung und der Ursprung von Dingen bilden wiederkehrende Ausgangspunkte seiner künstlerischen Forschung. Anatolisch-griechische Mythen tauchen dabei immer wieder als Denkmodelle auf, wobei Vert antike Erzählungen mit zeitgenössischen Themenfeldern verbindet. So entstehen Querverbindungen zwischen Geographien, Kulturen, Materialien und Ausdrucksformen ebenso wie zwischen unterschiedlichen Zeitlinien. In den letzten Jahren hat Vert eine Serie vonMalereien entwickelt, die sich intensiv mit dem Motiv der Argonautensage auseinandersetzt. Diese Erzählung einer kollektiven Erfahrung von einer Gruppe dient ihm weniger als narrative Vorlage denn als Reflexionsraum für Begegnungmit Fremden und für Transformation als existenziellen Prozess aller Lebenswege. Zugleich sind die aktuellen Malereien eng mit seinen Erfahrungen im Berliner Nachtleben verbunden, in dem er über viele Jahre, parallel zu seinen Studien und künstlerischer Arbeit, im Post-Mauer- Phase Berlin’s tätig war. Die Spannungen zwischen Tag und Nacht, Licht und Schatten, Orient und Okzident, zwischen Sprachen und unterschiedlichen Lebensformen prägen sein Leben und Arbeiten bis heute sein künstlerisches Schaffen. Die Geschichte der Argonauten wird hier somit zum Sinnbild einer kollektiven Erfahrung von Gesellschaften im Zustand stetiger, tiefgreifender Umbrüche.

Die Ausstellung The Colliding Ones ist als räumliche Abfolge von Passagen, Schwellen und Gegenüberstellungen konzipiert. Der Titel verweist auf die Symplegaden, jene sich bewegenden Felsen am Eingang zum Schwarzen Meer, die in der Sage das größte Hindernis der Reise darstellen: zwei Felsen, die sich annähern und zusammenschlagen und alles zerschmettern, was hindurchfahren möchte. Zugleich ist das Motiv für Vert nicht ausschließlich kritisch zu lesen. Kollision bedeutet hier auch sich zu kreuzen, zu überlagern und zu begegnen. Gemeint ist ein intensives Aufeinandertreffen unterschiedlicher Perspektiven, Persönlichkeiten und Lebensauffassungen, ein Bild, das sich auch auf urbane komplexe Gesellschaften jeder Geografie übertragen lässt. Diese Denkfigur wird in der Ausstellung nicht erzählerisch, sondern räumlich wirksam. BesucherInnen bewegen sich, ähnlich wie die reisenden Argonauten, an und durch verschiedene künstlerische Arbeiten und Konstellationen. Als multisensorische räumliche Farbatmosphäre konzipiert, bildet die Ausstellungskonzeption dabei einen kollektiven Erfahrungsraum, in welchem neun Soundkompositionen dazu einladen, sich aufzuhalten, anzukommen und zu verweilen.

Dabei kann man wie die Argonauten gemeinsam wie auch individuell auf eine Reise gehen. Die Klanginstallation entstand in Zusammenarbeit mit dem Berliner Produzenten Headless Horseman und verbindet sphärische elektronische Klanglandschaften mit transzendentalem, kosmischen Stimmkollagen von Viron Erol Vert. The Colliding Ones versteht Passage und Lebenswege nicht ausschließlich als Metapher, sondern als Erfahrung: als Bewegung zwischen Polen, als Reibung ohne Auflösung, als fortwährendes Dazwischen und sich transformieren. Wie die Symplegaden selbst bleibt die Ausstellung in Bewegung und öffnet einen Denkraum, in dem der Mensch stets in Bewegung und im Übergang sichtbar wird.

Viron Erol Vert hat international ausgestellt, darunter Club under the Fog, Busan Biennale (2025), THREE HAPPY ARCHES, Fraunhofer Institut, Frankfurt am Main (2025), das immersive Projekt The Hermit in EMST Athen (2023/24) und Atoms, Souls, Senses in der Villa Romana, Florenz (2022). Frühere Einzelausstellungen umfassen Garden of Ornaments (Kunsthalle Baden-Baden, 2023) Club Telesterion (Speaking to Ancestors, Wasserspeicher Berlin, 2023), Born in the Purple (Kunstraum Kreuzberg/Bethanien, Berlin, 2017), The Chronicler (Künstlerhaus Stuttgart, 2014), und The Name of Shades of Paranoia (Galerie Wedding, Berlin, 2017). Er entwickelte das Ausstellungskonzept Ambereum für die Riga International Biennial of Contemporary Art (2018) und präsentierte es im Rahmen des Arts & Activism Programme des Roskilde Festivals (2019–2022).

Vert ist Träger des Villa-Romana-Preises (2018), des LETTER Foundation Ludwig Gies Prize for Small Sculpture (2022) sowie des Kunst-am-Bau-Preises des Orient-Instituts Istanbul und der Tarabya Cultural Academy (2023). Seit 2024 lehrt er im Studiengang MA Raumstrategien an der Kunsthochschule Weißensee Berlin.