Ines Doujak: VON LUFT LEBEN


14. Juni 2026 – 13. September 2026

Ausstellungseröffnung: Sonntag, 14. Juni 2026, um 11 Uhr

Mit VON LUFT LEBEN zeigt der Kunstverein Arnsberg eine Einzelausstellung der Künstlerin Ines Doujak.

Wie kann Kunst verbinden? Wir glauben, dass Kunst eine Chance haben soll, Menschen zusammenzubringen und neue Bilder des Zusammenlebens entwerfen kann. Ines Doujaks Arbeiten sind komplex, vernetzt und verunreinigen in ihnen die Schönheit mit einem Geist der Verspieltheit und Freude. Trotz allgegenwärtiger Gewalt und dem Scheitern einer globalisierten Welt findet Doujak weiterhin Hoffnung im gemeinsamen Sprechen. Im Geist politischer Satire verbindet sie groteske, subkulturelle Ästhetik mit intimen Erzählungen, um patriarchale Machtstrukturen und ihre Verflechtungen mit Kapital sichtbar zu machen. Ihre Arbeiten erschüttern, bleiben dabei aber offen für Ambivalenzen und unerwartete Verbindungen.

Seit den 1990er Jahren entwickelt Doujak ein Werk aus Collagen, Skulpturen, Performances und Filmen, das sich mit den Auswirkungen menschlichen Handelns auf Erde, Ökologie und Mikrobiologie auseinandersetzt. Dabei verbindet sie wissenschaftliche Recherche mit Humor, Übertreibung und einer oft drastischen Bildsprache.

Die Ausstellung entfaltet sich als räumliche Choreografie: Besucher durchlaufen eine Abfolge von Situationen, in denen sich filmische, skulpturale und textbasierte Arbeiten zu verdichteten Zuständen verbinden. Zwischen kollektiver Ekstase, visueller Überfülle und institutioneller Ordnung entsteht eine Dramaturgie, die Wahrnehmung, Körper und politische Systeme gleichermaßen adressiert.

Den Auftakt bildet ein abgedunkelter Raum, in dem der Film Masterless Voices (2014), realisiert gemeinsam mit John Barker, als vielstimmiges musikalisches Gedicht erscheint. Der Film verfolgt die Wurzeln des Karnevals zurück zu Mustern von Ausbeutung, Arbeit und Handel, aber auch zu Rebellion und Freude. Doujak verbindet hier ihre skulptural ausdrucksstarke Bildsprache mit ihrer Faszination für die heitere Kraft öffentlicher Umzüge und kollektiver Rituale.
Darauffolgend verdichten sich Objekte und Collagen zu einer vielschichtigen Bildlandschaft. Historische botanische und medizinische Darstellungen verbinden sich mit Körperfragmenten und pflanzlichen Elementen zu hybriden Figuren. Die Serie Geistervolk (seit 2015) verweist auf globale Zirkulationen von Wissen, Krankheit und Macht und stellt die vermeintliche Neutralität wissenschaftlicher Ordnungssysteme in Frage.Wiederkehrende skulpturale Figuren durchziehen die Ausstellung und treten in Übergängen und Schwellenräumen in Erscheinung. Sie beobachten, greifen ein oder entziehen sich eindeutigen Rollen und verbinden die einzelnen Situationen zu einer offenen Erzählung.

Im Zentrum der Ausstellung steht die Installation TIER PROZESS 1: DAS SCHWEIN (2026), die eine beklemmende Gerichtssituation inszeniert. Ein leicht nach vorne geneigter Blechcontainer bildet den Kern eines Settings, in dem sich Besucher selbst positionieren: sitzend, hörend, beobachtend. Den Raum durchziehen Fahndungsplakate, die sich zu einem System aus Anklage, Kategorisierung und Kontrolle verdichten. Die Arbeit setzt sich mit wiederkehrenden Mechanismen von Schuldzuweisung auseinander, die an den Schnittstellen gesellschaftlicher Ungleichheiten entstehen. Im Laufe der Geschichte haben Krisen immer wieder Sündenböcke hervorgebracht, darunter auch Tiere, die für Umweltzerstörung oder Krankheiten verantwortlich gemacht werden. Dabei rückt Doujak auch den Begriff des „Speziesismus“ in den Fokus und untersucht Mechanismen der Entmenschlichung, die sowohl marginalisierte Gruppen als auch nichtmenschliche Tiere betreffen.

Ein integraler Bestandteil der Ausstellung ist die Parade Hoffnung gegen Hoffnung (seit 2023), die den Innenraum der Ausstellung mit dem Stadtraum verbindet. Sie macht Kämpfe von Aktivistinnen sichtbar, die sich weltweit gegen Landraub und Umweltzerstörung einsetzen, und zeigt, wie aus scheinbarer Ohnmacht kollektive Handlung entstehen kann..

Parade zum Arnsberger Kultursommer 2026
28.06.2026, 16 Uhr
Hoffnung gegen Hoffnung (2023 – fortlaufend)

15:00 Uhr: Treffpunkt am Neumarkt (Formierung & Kostümierung), 16:00 Uhr: Start der Parade, Dauer: ca. 2 Stunden
Ab 18:00 Uhr: Ausklang mit Tanz, Party und Performance in den Garten des Kunstvereins Arnsberg

Der Kunstverein Arnsberg, die Künstlerin Ines Doujak und das Kulturbüro der Stadt Arnsberg laden am 28. Juni 2026 um 16 Uhr zu einer künstlerischen Parade ein. Wir feiern – mehr als menschliche – Courage. Hoffnung ist ein Akt des Widerstands!

Die Parade bewegt sich entlang der Ruhr durch die Stadt – ein fließender Körper aus Stimmen, Bildern und Klängen. Eine Trage mit Hyäne und Rabe, zwei Haie, Fahnen und kostümierte Performer*innen durchziehen den Raum, eine Versammlung jenseits des Menschlichen, vielstimmig, widerspenstig, wach. Lieder heben an, eigens geschrieben, eigens komponiert. Gemeinsam mit lokalen Gruppen entsteht ein Moment von Öffentlichkeit: ein Innehalten im Fluss, ein kollektives Fragen. Was kann werden? Was gilt es zu verteidigen? Und wie wollen wir leben? Wir freuen uns über alle, die mittragen, mitgehen, mitsingen, organisieren oder unterstützen möchten.

Die Ausstellung und Parade ist gefördert vom der Kunststiftung NRW und Stadt Arnsberg.

BIOGRAFIE

Ines Doujak präsentierte ihre Arbeiten unter anderem in folgenden Institutionen und Ausstellungen:
 Lentos Kunstmuseum Linz (2025, 2018), Hamburger Kunsthalle (2025), Kunsthaus Wien (2021), Liverpool Biennial (2021), NTU Centre for Contemporary Art Singapore (2020), Bergen Assembly (2019), Centro de Iniciativas Culturales de la Universidad de Sevilla (2018), steirischer herbst (2018), Kochi-Muziris Biennale (2018), Belvedere Wien (2018), Dhaka Art Summit (2018), Para Site Hongkong (2018), Bunkier Sztuki Krakau (2017), Württembergischer Kunstverein Stuttgart (2016), MACBA Barcelona (2015), Kyiv Biennial (2015), São Paulo Biennial (2014), Royal College of Art London (2013), Busan Biennale (2012), Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía Madrid (2010) sowie documenta 12 (2007). 2022 erhielt sie den Österreichischen Kunstpreis für Bildende Kunst.