Nina von Seckendorff
DAS MUSS IRGENDWANN IM SPÄTMITTELALTER GEWESEN SEIN IN DER ARKTIS ODERIN NORDFRANKREICH, JEDENFALLS WAR DER EINE HELL UND RUND UND DERANDERE KLEIN UND DUNKEL UND SIE HABEN BEIDE SEHR LAUT GESCHRIEN
30. November – 30. November 1999

Eine junge Frau steht in einem dunklen Raum am Fenster. Sie raucht. Sie telefoniert. Man kannkaum mehr als ihre Silhouette sehen wenn sie eine Zigarette anzündet oder daran zieht und dieGlut leuchtet. Die Gedanken und Fragen, die sie äußert erscheinen dringend, die Reaktionenund Antworten ihres Gegenübers bleiben jedoch unhörbar. Sie ist nicht allein.

Die Künstlerin Nina von Seckendorff fügt ihrer jungen und vielfältigen Praxis eine neue Gruppevon installativen und situativen Elementen, Videos und Animationen hinzu, die sich mitmenschlicher Position und Kommunikation auseinandersetzen. In ihren Arbeiten treffen wirunter anderem auf Menschen und Tiere, denen in der Begegnung keine gemeinsame Sprachezur Verfügung steht, sowie Menschen, die gleiche Sprachen sprechen und keine Möglichkeitfinden, sich zu verständigen.

Tiere und seltsame Objekte und Wesen tauchen oft in Seckendorffs Werken auf. Als Bilder, jageradezu Inbegriffe für eine scheinbare Sprachlosigkeit, Verständnislosigkeit undInstinktgetriebenheit. Im Mittelpunkt der Untersuchungen von Seckendorff stehen jedoch dieMenschen, ihre Verhältnissen zueinander, zur Welt, zu Wissen, Logik und Gefühl, zu sich selbstund anderen Lebewesen. Was ist Menschlichkeit und wer spricht sie wem zu und ab? Werbestimmt, wie die einen die anderen wahrnehmen, wie sie miteinander umgehen? Seckendorffkonstruiert absurde Verbindungen, die sich mit jeder weiteren Arbeit in der Ausstellung und inder Wahrnehmung der Besucher weiterspinnen. Narration entsteht dort, wo Kommunikationfehlt und Zusammenhänge erscheinen dort, wo sie überraschen und nicht die Suche nach einerAntwort sind sondern vielmehr die Suche nach Fragen. Fragen, die es ermöglichen, das inFrage zu stellen, was sich als richtig darstellt aber sich nicht richtig anfühlt. Was der Vorstellungeines menschlichen Instinkts zuwiderläuft.

Wie würde unser Alltag sich verändern, wenn wir an einem einzigen Tag nicht der bekanntenOrdnung der Dinge folgen? Wenn wir aus der Gewohnheit, das was uns begegnet nach einervorgegebenen Logik einzuordnen, aussteigen um es neu betrachten und verbinden zu können?Wenn zwischen den Wesen und den Dingen Grenzen verschwimmen und die Sinne vor derAufgabe stehen, neue Bilder zu erfinden, eine neue Perspektive aus der gleichen Position?